Inflationsrate in Deutschland: Fakten und Hintergründe

Alles wird teurer und ein Grund dafür ist die hohe Inflationsrate. Das Geld verliert an Wert, die Kaufkraft sinkt. Welche Auswirkungen das auf den Arbeitsmarkt haben kann und wie eine hohe Inflation entsteht, lesen Sie hier.

Was ist die Inflationsrate?

Inflation bezeichnet den Anstieg des Preisniveaus über einen definierten Zeitraum meist innerhalb eines Jahres. Höhere Preise führen dazu, dass Sie für einen bestimmten Betrag weniger Waren und Dienstleistungen erhalten oder anders gesagt: Steigen die Preise, sinkt der Wert des Geldes. Die Inflationsrate beschreibt, wie stark die Teuerung und damit die Geldentwertung ausfällt.

Was bedeutet die Inflationsrate für den Arbeitsmarkt?

Mit 7,9 Prozent lag die Inflationsrate in Deutschland im Mai 2022 auf einem Rekordhoch. Der Wert war die Spitze nach Monaten einer Aufwärtsspirale, begleitet von stetig steigenden Preisen. Sind Ersparnisse weniger Wert, legen Verbraucher geringere Summen auf die hohe Kante oder investieren es gleich in Sachwerte. So schränkt die Inflation auch die Möglichkeiten von Banken ein, Kredite an Unternehmen zu vergeben. In der Folge verfügen diese über weniger Mittel für Investitionen, Innovationen und letztendlich auch Neueinstellungen.

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Korrelation von Inflation und Arbeitslosenquote: die Phillips-Kurve

Einen Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosigkeit zieht die Phillips-Kurve. Der neuseeländische Ökonom Alban William Housego Phillips beschrieb 1958 eine Korrelation zwischen der Steigerung des Nominallohns und der Arbeitslosenquote: Je mehr Menschen arbeitslos sind, desto geringer steigen die Löhne.

Zwei Jahre nach Veröffentlichung von Phillips Hypothese entwickelten Paul A. Samuelson und Robert M. Solow diese weiter. Die heute gängige modifizierte Phillips-Kurve – auch bekannt als keynesianische Phillips-Kurve – ersetzt die Lohnerhöhungsquote durch die Inflationsrate. Damit fokussierte sie sich auf den Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosenquote.

 

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Samuelsons und Solows Theorie basierte auf der Annahme, dass Unternehmen die im Falle einer Inflation ausgezahlten höheren Löhne über Preissteigerungen an Verbraucher weitergeben. Es entsteht eine Lohn-Preis-Spirale: Durch höhere Gehälter wachsen die Kosten für Unternehmen, die wiederum Produkte und Leistungen verteuern, um ihre Kosten zu decken. Dadurch sinkt ihr Investitionsvolumen, das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, Neueinstellungen werden seltener. Hohe Preise führen zu einem weiteren Geldwertverlust und folglich zu einer steigenden Inflationsrate. Eine wachsende Nachfrage nach Gütern verstärkt den Preisauftrieb.

In der aktuellen Inflation versuchen Politik und Wirtschaft, eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern. Während die einen mit Einmalzahlungen gestiegenen Kosten entgegenwirken möchten, rufen andere nach Preisdeckelungen oder Entlastungspaketen. Auch Steuererhöhungen sind im Gespräch. Sie sollen die Menschen davon abhalten, mehr Geld auszugeben und so die Lohn-Preis-Spirale bremsen.

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Mit einer hohen Inflation besteht zugleich das Risiko der Stagflation, dem gleichzeitigen Aufkommen einer wirtschaftlichen Stagnation und hoher Inflation. Hält die ökonomische Leistung vor dem Hintergrund höherer Löhne und Preissteigerungen nicht mit, treibt das die Inflation weiter an und in der Folge kann auch die Arbeitslosigkeit steigen.

 

Wie wird die Inflationsrate berechnet?

Die Inflation lässt sich unter anderem anhand des monatlich vom Statistischen Bundesamt erhobenen Verbraucherpreisindexes messen, der Veränderung von Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen. Dafür zieht das Statistische Bundesamt einen imaginären Warenkorb heran. Er umfasst 700 ausgewählte Waren und Dienstleistungen unter anderem aus den Bereichen Nahrungsmittel und Getränke, Bekleidung, Wohn- und Energiekosten, Aufwendungen für Gesundheit, Verkehr, Freizeit und Kultur. So repräsentiert er den deutschlandweiten durchschnittlichen Konsum.

 

Die Berechnung der Inflationsraten erfolgt durch einen Preisvergleich. Das Statistische Bundesamt zieht den vorherigen Waren- oder Dienstleistungswert vom aktuellen ab, teilt es durch den zuvor gültigen Preis und multipliziert das Ergebnis mal 100. Ein Beispiel: Ein Produkt hatte 2021 einen Wert von 100 Euro. 2022 zahlen Sie für dieselbe Ware 108 Euro. So berechnen Sie die Inflationsrate: 108 Euro – 100 Euro / 100 Euro * 100 = 8. Die Inflationsrate beträgt folglich acht Prozent.

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Kurze Historie der Inflationsrate in Deutschland

Ein stabiler Geldwert ist für die wirtschaftliche Entwicklung und soziale Stabilität maßgeblich. Das zeigen Beispiele aus der Geschichte. Im Jahr 1923 erlebte Deutschland eine Hyperinflation: Der Wert des Geldes sank so rapide, dass Löhne täglich ausgezahlt und aufgrund stetiger Preiserhöhungen ebenso rasch wieder ausgegeben wurden. Soziale Spannungen waren nur eine der Folgen.

 

Auch verlor Geld seine Funktion als allgemeines Zahlungsmittel und Spareinlage. Die Währungsreform im November 1923 führte die Rentenmark ein und entwertete über Nacht Schulden, aber auch Vermögen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu einer versteckten Inflation. Durch verschiedene Maßnahmen wurde die Geldentwertung nicht sichtbar, hatte jedoch durchaus Folgen. Eine erneute Währungsreform 1948 führte die D-Mark im Verhältnis von 1:10 zur Reichsmark ein. Sparer und Besitzer von Barvermögen erlebten erneut eine (gefühlte) Quasi-Enteignung.

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Eine vergleichbare hohe Inflationsrate wie in diesen Tagen erlebte die Bundesrepublik zuletzt in den 1970er-Jahren. Die Gründe waren vielfältig: Eine Niedrigzinspolitik der US-Notenbank löste eine starke Kaufnachfrage aus, was wiederum zu steigenden Löhnen und Preisen führte. Die Ölkrise ließ die Preise für Öl und in der Folge für Nahrungsmittel ansteigen und trieb die Inflationsrate abermals in die Höhe. Durch die Kopplung des Dollars an den Wechselkurs der D-Mark wirkte sich das auch hierzulande aus. Die Erhöhung von Zinsen, einhergehend mit einer Verknappung der Geldmenge, verhinderten den weiteren Anstieg der Inflationsrate auf einen zweistelligen Wert und die damit verbundenen sozialen und ökonomischen Folgen.

 

Fazit – Inflationsrate abfedern mit unternehmerischen Mitteln

Eine hohe Inflation kann signifikante soziale und ökonomische Auswirkungen haben. Umgekehrt sind stetig fallende Preise ebenfalls zu vermeiden. Eine Deflation bremst den Aufschwung, wenn Investitionen in der Hoffnung auf weiterhin sinkende Warenwerte verschoben werden.

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Zur Abschwächung der Inflation und folglich zur Verringerung des Kaufkraftverlustes schnüren Staaten wie Deutschland und Österreich derzeit milliardenschwere Pakete. Wie sich die Inflationsrate entwickeln wird, ist kaum vorauszusagen. Das erschwert Unternehmen realistische Preiskalkulationen.

Unternehmen sollten die Märkte genau beobachten, um frühzeitig die Möglichkeiten von Preiserhöhungen auszuloten – das ist etwa dann leichter, wenn auch Mitbewerber diesen Weg gehen müssen. Durch flexible Lieferverträge und eine Ausweitung des Lieferantenkreises lassen sich steigende Kosten unter Umständen minimieren und weitergeben. Das schont die Marge. Schließlich können Kostensenkungen die Folgen der Inflation abfedern, etwa durch effizientere Arbeitsabläufe und die Investition in zeitsparende Softwarelösungen.

 

 
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