Neu ab 2023: die digitale Krankschreibung

Wer vom Arzt krankgeschrieben wird, erhält die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit zweifachem Durchschlag. Eine Ausfertigung geht an die Krankenkasse, eine an den Arbeitgeber und eine bleibt beim Arbeitnehmer. Rund 77 Millionen Krankschreibungen verlaufen deutschlandweit jährlich, was jede Menge Papier, Druckertinte, Verwaltungsaufwand und Kosten für die postalische Zustellung bedeutet. Damit ist ab 2023 Schluss, denn das Verfahren wird komplett digital. Wirklich komplett und für alle? Wir verraten Ihnen, was sich durch die digitale Krankschreibung für Sie und Ihr Unternehmen ändert.

Schrittweise Einführung der digitalen Krankschreibung seit 2022

Die Digitalisierung im Gesundheitssystem soll in Form der digitalen Krankschreibung Bürokratie abbauen und Kosten sparen. Dabei sind große Hürden in Sachen Datenschutz zu nehmen. Außerdem erfordert das neue System jede Menge technischer Infrastruktur. In einer Übergangsphase liefen das alte System mit dem dreifachen gelben Schein und das neue digitale System parallel. Ab 2023 wird komplett auf digital umgestellt – zumindest für gesetzlich Versicherte.

Der erste Schritt:

Seit 01.01.2022 müssen alle Vertrags(zahn)ärzte und Vertragskrankenhäuser mit entsprechenden Schnittstellen zu den Krankenkassen und der Telematikinfrastruktur ausgestattet sein. Dadurch können Ärzte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit elektronischer Signatur (eAU) auf digitalem Weg direkt an die Krankenkasse des Patienten übermitteln. Dazu nutzen sie die Praxisverwaltungssoftware, die über eine Schnittstelle zu den Krankenkassen verfügt. 

Während dieser Übergangsphase mussten Patienten weiterhin selbst den Durchschlag der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) an ihren Arbeitgeber senden (spätestens am 4. Krankheitstag). Parallel lief ein gesetzlich geregeltes Pilotverfahren für Arbeitgeber. Sie erhielten dabei die Möglichkeit, den elektronischen Abruf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu testen – mit Erfolg.blog_icons_blog

 

Der zweite Schritt: 

Nach der erfolgreich verlaufenen Testphase wird das System der Krankschreibung ab 01.01.2023 für gesetzlich Versicherte gänzlich digital. Der Ablauf sieht dann wie folgt aus: 

  • die Ärzte melden die eAU elektronisch an die Krankenkasse
  • der Arbeitnehmer meldet sich telefonisch beim Arbeitgeber krank
  • der Arbeitgeber ruft die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei der Krankenkasse digital ab

 

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Was ändert für Arbeitgeber?

Bislang mussten Arbeitgeber darauf warten, bis die Krankschreibung eines Arbeitnehmers per Post eintraf. Diese musste dann händisch abgeheftet werden. Durch die digitale Krankschreibung steht die AU dem Arbeitgeber spätestens am Folgetag nach der telefonischen Krankmeldung des Arbeitnehmers digital bei der Krankenkasse zum Abruf bereit. 

Indem Arbeitgeber ihre Zeiterfassungssoftware mit Schnittstellen versehen, können sie nun die Arbeitsunfähigkeitszeit von Arbeitnehmern digital erfassen und die Informationen automatisch in die Lohn- und Entgeltabrechnung einfließen lassen.

 

Was ändert sich für Arbeitnehmer?

Da der Arzt die Krankschreibung automatisch an die Krankenkasse übermittelt, muss der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer nur noch telefonisch an den Arbeitgeber melden. Das Versenden der Papierunterlagen per Post entfällt. Der Arbeitgeber kann die AU ca. 24 Stunden nach der Krankmeldung bei der Krankenkasse digital abrufen.

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Gilt die digitale Krankschreibung für alle?

Für gesetzlich Versicherte ist die digitale Krankschreibung ab dem 01.01.2023 die Regel, nicht jedoch für Privatversicherte. Bei ihnen gilt weiterhin die dreifache Ausfertigung der AU in Papierform.

 

Die Vor- und Nachteile der digitalen Krankschreibung im Überblick

Digitalisierung macht vieles einfacher. Doch mit elektronischer Datenübermittlung sind gerade im Gesundheitswesen auch Risiken und Aufwand verbunden. Wir haben die Vor- und Nachteile der digitalen Krankschreibung für Sie zusammengefasst.

 

Vorteile:

  • Die AU-Bescheinigungen gehen nicht verloren (zum Beispiel auf dem Postweg) und sind jederzeit digital abrufbar
  • Rechtsstreits um die fristgerechte Einreichung der AU entfallen
  • Die papierlose Ausfertigung spart Ressourcen: Ärzte haben bei einer schlankeren Verwaltung mehr Zeit für Patienten
  • Kranke müssen keine Gänge zum Briefkasten unternehmen
  • Arbeitgeber profitieren von weniger Verwaltungsaufwand und müssen weniger Akten lagern
  • Die Daten sind sicher verschlüsseltblog_icons_blog

 

Nachteile:

  • Unternehmen müssen ihre IT-Infrastruktur auf die neuen Gegebenheiten anpassen und dabei vor allem die geltenden DSGVO-Auflagen zum Datenschutz einhalten
  • Mitarbeiter müssen im Umgang mit dem neuen System geschult werden. Das verursacht zunächst Kosten und Aufwand
  • Es gibt kaum Informationen zu den benötigten Systemen und Schnittstellen oder Beispiele zu den Prozessabläufen. Viele Arbeitgeber und Arztpraxen sind noch nicht auf die Umstellung vorbereitet
  • Technische Störungen, Internetausfälle und Kompatibilitätsprobleme können die Datenübermittlung und den Abruf der Daten erschweren oder gar verhindern
  • Im Falle von Störungen oder technischen Unzulänglichkeiten muss weiterhin die Möglichkeit gegeben sein, die AU in Papierform bereitzustellen
  • Weil für privat Versicherte weiterhin die analoge Krankschreibung gilt, müssen Arbeitgeber langfristig zwei Systeme parallel bedienen (können)

 

Fazit

Von der digitalen Krankschreibung profitieren Arbeitnehmer, Arbeitgeber und das Gesundheitssystem gleichermaßen. Die verschlankten Abläufe setzen bei allen Beteiligten Ressourcen frei. Bei allen Vorteilen müssen jedoch auch die Risiken bedacht werden. Die größte Hürde in der Anfangsphase stellen die für die Umsetzung notwendigen IT-Systeme dar. Das gilt sowohl für Arztpraxen als auch für Arbeitgeber: Sie müssen ihre Software um die notwendigen Schnittstellen zu den Krankenkassen erweitern. Es fehlt an Anleitungen und Best Practices, die Unternehmen und Medizinern die Einführung erleichtern.

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Da für Gesundheitsdaten besonders hohe Anforderungen an den Datenschutz gelten, müssen die IT-Lösungen zur Umsetzung der digitalen Krankschreibung dies berücksichtigen. Zudem verfügt noch nicht jede Arztpraxis über einen Internetanschluss. Nicht zuletzt sorgt die Sonderstellung der privaten Krankenversicherungen dafür, dass die Krankschreibung in Papierform nicht ganz ausgedient hat. Wenn die digitale Krankschreibung aber flächendeckend funktioniert, wird sie allen Beteiligten fast nur Vorteile bringen.

 

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